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Pflege 2.0 – Im 21. Jahrhundert Technik und den menschlichen Faktor in der Pflege verbinden

Mit der wachsenden Anzahl an Pflegebedürftigen, die bereits in den kommenden Jahren erwartet wird, ist es ein Muss, die aktuellen Pflegekonzepte immer wieder einer genauen Prüfung zu unterziehen. Dies geht meist Hand in Hand mit den technischen Fortschritten. Von Androiden bis zu anderen technischen Hilfsmittel für die Badewanne und Co kann diese Hilfe jedoch nie den menschlichen Kontakt im täglichen Umgang mit Pflegebedürftigen ersetzen. Daher gilt es auch im zwischenmenschlichen Zusammenleben der Generationen neue Wege zu gehen.

Mit Androiden dem Fachkräftemangel effektiv begegnen

Die Zukunft hat in einigen Pflegheimen schon lange begonnen. Menschen, die in ihrem Leben noch kein Handy besessen haben und auch kein Profil in den sozialen Medien mit täglichen Posts aktualisieren, werden täglich von Androiden betreut. Diese versorgen Sie mit Medikamenten oder benachrichtigen die Mitarbeiter von Pflegeheimen bei Stürzen. Diese Pilotprojekte finden aktuell auch in vielen deutschen Pflegeeinrichtungen bereits statt. Viele Pflegebedürftige haben sich dort bereits an die Stimme der elektronischen Pflegeroboter gewöhnt, die sie am Morgen wecken und mit den benötigten Medikamenten versorgen. Gleiches gilt auch für Demenzpatienten, die mit Robotern und Puppen in ihrem Alltag ermutigt werden, jenseits der Erinnerungen an ihr Leben vor der Erkrankung eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu finden.

Der Hintergrund der Notwendigkeit dieses Vorgehens besteht schlicht in einer Mischung aus dem nicht zu leugnenden Fachkräftemangel in der Altenmangel sowie der Entlastung der derzeitigen Angestellten. Kritiker beurteilen diese Pilotprojekte jedoch auch problematisch. Sie sehen darin einen Versuch, die menschliche Arbeit auf belastbarere Androide zu verteilen.

Moderne Pflegekonzepte haben aber eher eine Kombination aus menschlichen Altenpflegern zum Ziel, bei denen es mit der Hilfe von Robotern gelingen soll wieder mehr Zeit für jeden einzelnen Bewohner zu haben.

In Mehrgenerationenhäusern sich gegenseitig in allen Lebensphasen unterstützen

Das Leben mit mehreren Generationen galt noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts als das normale Zusammenleben innerhalb einer Familie. Jedoch bestand eine Familie damals seltener aus mehr als drei Generationen. Mit der steigenden Lebenserwartung hat sich auch das geändert. Heute ist es überhaupt nicht ungewöhnlich, die eigenen Enkel oder Urenkel aufwachsen zu sehen. Dennoch wohnen mehrere Generationen heute sehr viel seltener zusammen als noch vor 100 Jahren. Die Pflegekonzepte der Zukunft setzen verstärkt auf diese Art des Zusammenlebens. In immer mehr Großstädten entstehen daher von den Gemeinden geförderte Mehrgenerationenhäuser.

In Mehrgenerationenhäusern kommen Menschen unterschiedlichen Alters zusammen und unterstützen sich gegenseitig in ihrem Alltag. Jeder Bewohner oder auch jede Familie hat dabei seine bzw. ihre eigene Wohnung. Die Bewohner müssen dafür aber nicht miteinander verwandt sein. Ziel ist es, die Schwächen auszugleichen und somit das Leben aller zu verbessern. Typisch ist zum Beispiel, dass Rentner die Kinder von alleinerziehenden Mitbewohnern des Mehrgenerationenhauses hüten oder ältere Nachbarn bei ihren Besorgungen oder Arztbesuchen unterstützt werden. Im Gegenzug ist die Miete in diesen Häusern oft niedriger, da die Hilfe in der Freizeit hier sozusagen mit der Miete verrechnet wird. Wer sich nicht an diese Spielregeln hält und sich der Hilfe verschließt, kann im Gegenzug gefahrlaufen eine Kündigung im Briefkasten zu finden. Bei vielen Senioren sind Mehrgenerationenhäuser beliebt, da sie hier weiterhin eine Aufgabe finden und sehr viel eher Kontakt zu den Nachbarn finden als in den oft sehr anonym gewordenen Mehrfamilienhäusern.

Im Alter in einer Senioren-WG gegenseitige Unterstützung erfahren

Die Zeiten, in denen mit spätestens 30 Jahren die Zeit in einer WG enden sollte, sind vorbei, wenn es nach den neuesten Pflegekonzepten geht. In diesen Konzepten werden Senioren-WGs nicht nur vorgestellt, sondern bereits aktiv in vielen deutschen Städten gelebt. Senioren, die nicht allein leben möchten oder nicht mehr alleine leben können, ziehen hier zusammen und unterstützen sich gegenseitig im Alltag. Zugute kommt dies auch Senioren mit einer kleinen Rente, die sich durch die geteilte Miete eine wesentlich komfortablere Wohnung als alleine leisten können. Senioren-WGs finden sich entweder alleine zusammen über den Freundeskreis und Anzeigen in der Zeitung oder werden auch durch die Gemeinden unterstützt. Nicht selten wird dabei neuer, altersgerechter Wohnraum speziell für Senioren-WGs reserviert.

In Häusern mit mehreren Senioren-WGs steht zudem in der Regel eine Pflegekraft oder auch ein Pflegedienst zur Verfügung, welcher die Bewohner unterstützt, welche auf mehr Hilfe angewiesen sind. Der Umzug in ein Pflegeheim kann so verzögert oder sogar ganz vermieden werden. Jedoch gibt es auch hier bei der Planung dieser Idee durchaus ernste Hintergedanken. Denn im Zuge der Wohnungsknappheit in vielen Großstädten haben Statistiken ergeben, dass viele Senioren noch in den Wohnungen leben, in denen sie 2 oder sogar mehr Kinder großgezogen haben. Deren Zimmer stehen nun leer oder werden als Gästezimmer für Besucher genutzt. Senioren-WGs sollen daher auch einen Anreiz bieten, diese Wohnungen wieder Familien mit Kindern zur Verfügung zu stellen, ohne dabei auf das Leben in einer großen Wohnung verzichten zu müssen.