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Die Altenpflege steht noch immer im Schatten der angeseheneren Krankenpflege

Beide Berufe erfordern ein hohes Engagement und Freude bei der Arbeit mit Menschen. Dennoch ist der Beruf des Krankenpflegers oft mit einer höheren Wertschätzung verbunden, als sie den hunderttausenden Altenpflegern in Deutschland bei der Nennung ihres Berufs wiederfährt. Dabei bauen beide Pflegeberufe auf der gleichen Basis an Fähigkeiten auf und unterscheiden sich im Arbeitsalltag oft nur minimal. Diese Gemeinsamkeiten sollen daher in Zukunft bereits während der Ausbildung stärker miteinander verknüpft werden, um den Arbeitsmarkt im Bereich der Pflege insgesamt dynamischer zu gestalten.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Pflegeberufe

Jeder kennt die gut gelaunten Krankenschwestern und Pfleger, die bei einem Krankenhausaufenthalt nicht selten besser helfen können als studierte Mediziner. Dementsprechend hoch ist auch das Ansehen von Krankenpflegern innerhalb der Bevölkerung. Im Gegensatz dazu erleben Altenpfleger nicht selten eher mitleidige Blicke, wenn Sie ihren Beruf in Gesprächen erwähnen. Dabei sorgen auch diese dafür, dass viele alte Menschen, die nur selten von Angehörigen besucht werden, dennoch ein Pflegeheim als ihr Zuhause empfinden.

Einen Beitrag zum schlechten Image des Berufs des Altenpflegers haben sicherlich auch viele Berichte geleistet, in denen die unzureichenden Verhältnisse in Pflegeheimen angeprangert werden. Ein weiterer Faktor besteht in der Tatsache, dass sich der Beruf des Altenpflegers in den letzten Jahren immer mehr zu einer zweiten Chance für Quereinsteiger erwiesen hat. Aufgrund des seit Jahren andauernden Mangels an Pflegekräften, waren nicht selten Langzeitarbeitslose gezwungen, sich in Umschulungen zur Pflegekraft weiterbilden zu lassen. Diese eigentliche Lustlosigkeit auf den Beruf zeigt sich auch im Rat vieler Altenpfleger, die Praktikanten und Interessierten gerne dazu raten, lieber den Beruf des Krankenpflegers zu erlernen. Später bestünde immer die Gelegenheit, den „Abstieg“ in die Altenpflege zu erwägen. Das Ansehen der beiden Berufe stellt daher mit Abstand den größten Unterschied dar.

Die alltäglichen Tätigkeiten der beiden Berufsfelder unterscheiden sich dagegen kaum voneinander. Einzig bestimmte Spezialisierungen, wie etwa die Betreuung von Patienten nach einer Operation oder die Pflege von Kindern auf der Säuglingsstation, waren bisher einzig auf den Beruf des Krankenpflegers beschränkt. Doch auch in diesem Bereich haben klassische Altenpfleger bei ihrer Tätigkeit in den letzten Jahren durch Pflegeheime, die sich etwa ausschließlich auf die Betreuung von Kindern und Jugendlichen konzentrieren, aufgeholt. Gemeinsam haben beide Berufe zudem den hohen Grad an Eigenverantwortung. Zwar folgen beide Berufe einem von Ärzten erstellten Behandlungsplan, wie etwa bei der Medikamentenvergabe, dennoch sind es in der Regel die Pflegekräfte, die bemerken, wie Medikamente anschlagen oder ob sich der Zustand eines Patienten langsam verbessert. Erforderlich dafür ist, neben der Erfahrung, auch ein Gefühl, welches unabhängig davon ist, ob sich der Arbeitsplatz in einem Pflegeheim oder in einem Krankenhaus befindet.

Wachsende Herausforderungen für die Zukunft des Pflegeberufs

Der heutige Mangel an Pflegekräften ist eine ebenso große Realität wie der seit Jahren prognostizierte demografische Wandel. Dieser besagt, dass die Anzahl an Rentnern und Pflegebedürftigen bereits bis zum Jahr 2050 deutlich zunehmen wird. Eine der deutlichsten Zahlen in diesem Zusammenhang gibt an, dass die heute bereits sehr große Zahl an Pflegebedürftigen von 2,5 Millionen Menschen nochmals um 500.000 auf 3 Millionen ansteigen wird. Dies stellt nicht nur das Rentensystem vor eine Herausforderung, sondern auch die Pflegeeinrichtungen, die sich schon heute schwertun, Anreize für den Beruf des Altenpflegers zu schaffen. Die Auswirkungen werden jedoch auch an den Krankenpflegern nicht spurlos vorbeigehen, da ein kosteneffizientes Arbeiten hier in den nächsten Jahren immer mehr zu einem Muss für den Betrieb von Krankenhäusern werden wird.

Hier zeigt sich schnell ein weiterer Unterschied beider Berufe in der Beziehung der Menschen, welche Alten- und Krankenpfleger in ihrem Berufsalltag betreuen. Während bei beiden Berufen die Schichtarbeit sowie die Arbeit in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen zur Normalität zählt, ist die Bindung zu den Pflegebedürftigen in Heimen sehr viel stärker als zu den schnell wechselnden Patienten in Krankenhäusern. In Pflegeheimen werden die Bewohner üblicherweise über Monate und Jahre betreut. Der enge Kontakt ist dabei sowohl einer der positiven Aspekte des Berufs als auch schmerzlich, da in Pflegeheimen das Ende der Betreuung in der Regel durch den Tod des Bewohners beendet wird.

Mit einer Reform der Pflegeberufe mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt garantieren

Im Jahr 2018 soll es endlich soweit sein. Dann wird die Berufsausbildung von Alten- und Krankenpfleger aller Voraussicht nach zusammen erfolgen. Das soll es besonders den Wechsel des Berufs zwischen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen erleichtern. Doch es zeichnet sich besonders unter den Betreibern von Pflegeheimen der erste Widerstand gegen die Pläne ab. Fakt ist, dass auch die oftmals privaten Träger der Pflegeheime diese nicht betreiben, um ausschließlich kostendeckend zu arbeiten. Bereits heute zeigt sich, dass die aktuell über 2,5 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland in Bezug auf die Pflege auch einen Wirtschaftsfaktor darstellen. Mit der Zusammenlegung der Ausbildung müssen die Betreiber dieser Entwicklung zwangsläufig auch finanziell Rechnung tragen. Schließlich werden es nur noch wenige Altenpfleger akzeptieren 5.000 € oder sogar weniger Gehalt im Jahr zu erhalten als ihre identisch qualifizierten Kollegen in der Krankenpflege.

Bisher sind die Experten im Gesundheitswesen von dieser Reform besonders in Hinsicht auf die Vorteile für die Altenpfleger überzeugt. Doch auch die Krankenpfleger müssen sich bereits in naher Zukunft neuen Herausforderungen stellen. Zu einer dieser Herausforderung zählt die Behandlung von immer mehr demenzkranken Patienten. Diese sind nur eingeschränkt in der Lage sich ihrer Umwelt mitzuteilen oder auch die aktuellen Symptome richtig zu beschreiben. In dieser Hinsicht verfügen Altenpfleger bereits über wertvolle Erfahrungen, welche in der Regel bereits während der Ausbildung vermittelt werden. Beide Berufsgruppen haben durch die Zusammenlegung daher die Chance voneinander zu profitieren.