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Altenpflege – der Nachwuchs fehlt

Nachwuchssorgen in der Altenpflege führen zu düsteren Zukunftsaussichten

In keiner Branche hat der Fachkräftemangel so verheerende Konsequenzen wie in der Altenpflege. Hier müssen die Bewohner von Heimen unmittelbar die Konsequenzen dieses Fachkräftemangels tragen. Bereits heute haben die Pflegekräfte in einigen Heimen kaum ein offenes Ohr für die Sorgen der Bewohner, da schlicht zu wenige Pflegekräfte eine wachsende Anzahl an Pflegebedürftigen betreuen müssen. Um Anreize für den Nachwuchs zu schaffen und zeitgleich das Image der Altenpflege zu verbessern, sieht sich daher aktuell auch die Politik gezwungen zu handeln.

Das Image der Altenpflege als Auslöser für mangelndes Interesse

Während der Beruf des Arztes oder Anwalts bereits seit Jahren ein sehr hohes Ansehen in der Bevölkerung genießt, befindet sich der Beruf des Altenpflegers eher auf der anderen Seite dieses Spektrums. Das liegt zum Teil an den Anforderungen des Berufs und zum anderen an den Berichten aus den Medien, welche Altenpfleger selbst in ein schlechtes Licht gerückt haben. Bilder von vernachlässigten Heimbewohner und Demenzkranken, die einen großen Teil des Tages sich selbst überlassen werden, haben ein Übriges dazu beigetragen, sich in das Gedächtnis der Gesellschaft einzuprägen.

Nicht selten stoßen daher Jugendliche, die eine Ausbildung zum Altenpfleger in Betracht ziehen, bereits im Elternhaus auf Widerstand. Neben dem schlechten Image trägt auch die unterschiedliche Ausbildungssituation ihr Übriges dazu bei, den Nachwuchs nicht gerade anzulocken. Bei einigen Schulen müssen angehende Altenpfleger Teile der Kosten oder sogar die gesamte Ausbildung selbst finanzieren. Im Gegenzug dafür müssen die Altenpfleger nach ihrer Ausbildung sogar ein geringeres Gehalt als bei vergleichbaren Berufen, wie etwa Krankenpfleger im Krankenhaus, in Kauf nehmen. Auszubildende, welche die Wahl haben, entscheiden sich daher nicht selten für eine Ausbildung zum Krankenpfleger, um dadurch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt und für ein sicheres Auskommen zu sichern.

Die Realität der Pflege nur schwer mit den Idealvorstellungen des Berufs zu verbinden

Das Berufsleben mit der Pflege alter oder pflegebedürftiger Menschen zu verbringen, ist ein edles Motiv für die Wahl des Berufs. Doch nicht wenige Auszubildende zum Altenpfleger stoßen bereits während der Ausbildung an ihre Grenzen. Dabei ist es weniger das Gehalt während der Ausbildung, dass Grund zum Zweifeln an der Berufswahl lässt. Vielmehr ist es die Realität in Pflegeheimen, welche die Auszubildenden nicht selten an ihre Grenzen stoßen lässt. Denn nicht selten wird den Auszubildenden erst im direkten Kontakt mit den Bewohnern bewusst, dass das Pflegeheim für diese die letzte Station ihres Lebens bedeutet.

Weiterhin ist auch die Einsamkeit vieler Bewohner, die nur selten oder auch gar nicht von ihren Angehörigen besucht werden, ein Grund die Begeisterung für den Beruf des Altenpflegers zu verlieren. Wer die Ausbildung erfolgreich absolviert, kann sich dagegen beim momentanen Fachkräftemangel den Arbeitsplatz sehr frei auswählen. Begehrt sind natürlich Festanstellungen in Pflegeheimen mit einer hohen Mitarbeiterdichte. Hier ist die Versorgung der Bewohner so gewährleistet, dass auch Zeit für persönliche Gespräche bleibt. In Einrichtungen mit einem Mangel an Mitarbeitern entfallen diese Gespräche nicht selten aus Zeitdruck heraus, um allen Bewohnern innerhalb einer Schicht gerecht zu werden.

In Zukunft dem Fachkräftemangel durch eine neue Ausbildung vorbeugen

Obwohl es zwischen der Arbeit eines Krankenpflegers und eines Altenpflegers so gut wie keinen Unterschied in den täglichen Tätigkeiten gibt, ist der Stellenwert innerhalb der Gesellschaft nicht derselbe. Die deutsche Regierung will diesen Umstand nun ändern und plant daher eine Revolution der Ausbildung für Pflegeberufe. Anstatt wie bisher drei getrennte Ausbildungen für die Krankenpflege, Altenpflege und Kinderkrankenpflege anzubieten, sollen alle zu einer Ausbildung zusammengefasst werden. Das versetzt die Auszubildenden in die Lage, sich freier für eine Arbeitsstelle entscheiden zu können. Der Wechsel von einem Krankenhaus zu einem Pflegeheim würde somit nicht mehr als ein Auf- oder Abstieg gewertet, sondern zu einer Normalität innerhalb des Pflegeberufs werden.

Gleiches gilt auch für Studiengänge und welches Wissen rund um die Pflegevermittelt wird. Hier wird in Zukunft vermehrt auf die Vermittlung praktischer Kenntnisse gesetzt werden. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass Management von Pflegeheimen sehr viel näher an den Arbeitsalltag der Pflegekräfte zu bringen, um Veränderungen nicht zu Lasten der Pflegekräfte umzusetzen. All diese Maßnahmen dienen schlussendlich jedoch immer der Tatsache, auch in einigen Jahren noch eine Pflege gewährleisten zu können, welche einen menschenwürdigen Umgang mit alten und pflegebedürftigen Menschen in der oft letzten Phase ihres Lebens erlaubt.