Gesundheit Online

Gesundheit und Pflege

Gesundheit ist das höchste Gut. So klingt es beinahe täglich in meinen Ohren, denn ich arbeite in einem Altersheim als Pflegekraft. Das klingt zunächst nach ziemlicher Routine und irgendwie langweilig, gleichzeitig wird uns Pflegern aber immer auch eine rosige Zukunft versprochen: Überalterung der Gesellschaft, rasantes Anwachsen pflegebedürftiger Menschen, die immer größer werdende Aufwendung finanzieller Mittel, um diese Entwicklungen abzufedern. seniorenpflege-24-stunden
Freilich merke ich von Anerkennung, gerade auch in finanzieller Hinsicht, überhaupt nichts. Natürlich, unsere alten Leutchen sind froh, dass sie hier (wie es in anderen Heimen aussieht kann ich nicht sagen) gut versorgt werden und sie einen würdigen Lebensabend verbringen können, manche von ihnen fern der Familie und Heimat. Und das sagen sie mir auch immer wieder und ich bin froh darüber, gebraucht zu werden.
Allerdings finde ich es skandalös, was die Politik und natürlich auch die Wirtschaft uns alles abverlangen. Da werden ständig Gelder gestrichen, Heime (so höre ich das jedenfalls) nicht richtig saniert, da wird sich von Amts Seite um jeden Cent bis aufs Letzte gestritten, als ob es hier um einen Auseinandersetzung der Kesselflicker ginge! Es geht aber, das muss man so sagen, um die Zukunft dieses Landes! Und die sieht nunmal, Fortschritt, Geburtenrückgang und Schlendrian sei Dank, nicht besonders jung aus. Wer zum Beispiel mal nach Amerika oder Asien fährt, der sieht dort fast nur junge Leute auf der Straße – ganz im Gegensatz zu hiesigen Verhältnissen! Gleich, niemand sollte zum Kinderkriegen gezwungen werden, sonst hätten wir ja willkürliche Zustände wie im damaligen Rumänien unter Ceaucescu. Dort wurde jede Frau quasi verpflichtet, vier oder besser mehr Kinder zu bekommen, die dann oft nicht versorgt werden konnten und in Waisenhäusern dahinsiechten. Mit Kinderkriegen ist es nämlich allein nicht getan, man braucht auch irgendeinen Plan, wohin unsere Gesellschaft denn steuern soll.
Aber gut, ich bin kein Politiker, ich pflege nur alte Leute. Und von denen wird es mehr geben, also sollten wir uns gefälligst darauf einstellen. Das gilt für den privaten wie öffentlichen Bereich gleichermaßen. Wir sollten akzeptieren, dass viel mehr Geld für altersgerechtes Wohnen und Leben in die Hand genommen werden muss als bisher und wir sollten gemeinsam an einer echten und vor allem wirksamen Strategie arbeiten. Alte Leute bringen nämlich zunächst einmal keinen volkswirtschaftlichen Nutzen, außer Konsum und damit das Ausgeben von zuvor gespartem Geld nehmen die meisten Rentner am Produktionsprozess kaum teil. Was technisch klingt, ist ein reales Problem, es zeigt sich in der immer schwieriger werdenden Arbeits- und Lastenteilung zwischen alt und jung. Ich will hier ein bißchen über meinen Alltag im Altersheim berichten und hoffe auf viele Leser.