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Pfleger aus Polen – Warum eigentlich nicht?

Seit 2011 sind alle Hürden beseitigt: Mit dem 1. Mai begann die Arbeitnehmerfreizügigkeit für alle Länder, die seit 2004 der EU angehören. Das betrifft gerade auch den Bereich der Pflege und Haushaltshilfe. Wie jeder weiß, waren Osteuropäer schon immer gern gesehene Arbeitsgäste in der Pflege, schließlich werden gerade die Polen sogar in der Ärztezeitung immer wieder als besonders kompetent, hilfsbereit und zuverlässig beschrieben. Doch man musste sich immer irgendwie schwarz kümmern, manch einer erhielt unseriöse Angebote und im Ganzen war es natürlich auch für die Pfleger selbst kein Zuckerschlecken. Viele sind oft sehr gut ausgebildet, finden aber zu Hause nur schwer eine ähnlich gut bezahlte Stelle wie in Deutschland das in Privathaushalten möglich ist. Denn auch in Polen und in ganz Osteuropa ist Pflege natürlich unterbezahlt und mit übermäßigem Arbeitsaufwand verbunden, auch wenn dort in sehr vielen Fällen die Eltern von den eigenen Angehörigen betreut werden. Andere Länder haben diese Form der Arbeitsteilung einfach noch nicht entwickelt, was vielleicht auch mit religiös-kulturellen Besonderheiten zusammenhängt. Ohne ausholen zu wollen: In Polen, dem Land der Katholiken, ist Individualität kein solch extrem bedeutsames Thema wie in den protestantischen Ländern des Westens. In Polen ist es keine Last, sondern vielmehr eine ganz selbstverständliche Sache, sich der Alten in Familie anzunehmen und dabei gut und gern auch auf eigene Vorhaben zu verzichten!

krankenpflege-ambulanzDoch der Arbeitsmarkt ist in Osteuropa zwar am Wachsen, die Pflege aber wie überall natürlich unterbezahlt. So entschließen sich eben nicht wenige, ihr Glück hier bei uns zu versuchen und ich persönlich finde das gar nicht schlecht. Wir haben hier, wie ich schon beschrieben habe, einen echten Mangel an Pflegern, kaum einer will dieser sehr schwere und unterbezahlte, wenn auch wenigstens krisensichere Arbeit annehmen. Klar, aus purer Not heraus entscheiden sich viele Jugendliche für eine solche Ausbildung, ohne genau zu wissen, was da auf sie zukommt. Und seitdem der Zivildienst weggefallen ist und nur noch wenige junge Leute soziale Dienste freiwillig leisten, spüren die Pflegeeinrichtungen einen Mangel an Arbeitskräften.
Deshalb also die Polen. Doch ganz so einfach ist es nun auch wieder nicht, denn der wahrscheinlich bei Weitem entscheidende Faktor, der finanzielle, gilt nur, wenn man sich eine polnische Haushaltshilfe ins Haus holen möchte. Aus arbeitsrechtlichen Gründen sind die Agenturen, gleich ob aus Deutschland oder Polen, dazu verpflichtet, für echte pflegerische Dienste auch den hier geltenden Mindestlohn zu zahlen! Der ist nicht so niedrig wie in Polen und so werden bei einer Vollzeitpflege, selbst durch eine Polin durchgeführt, die gleichen Beträge fällig wie bei einer deutschen Kraft. Das sollte man bedenken und stattdessen die flexiblen, wenn auch (wie immer) ein wenig seltsamen rechtlichen Regelungen ausnutzen.

24-stunden-betreuungVielmehr lohnt es sich nämlich und das sage ich auch aus persönlicher Erfahrung, sich mit einer Haushaltshilfe, so die Bezeichnung im Fachjargon, auseinanderzusetzen. Diese ist für maximal 2000 Euro im Monat zu haben. Oft ist das noch viel preiswerter und in dieser Summe sind Kost und Logis und meistens auch die Vermittlungsgebühr der Agentur enthalten. Dazu gleich noch mehr.
Eine Altenbetreuung aus Polen leistet dabei alle wichtigen Handgriffe, die alte Leute im Alltag nötig haben: Waschen, Putzen, Rasieren, Einkaufen und natürlich Unterhalten. Allein die medizinische Betreuung ist ihnen untersagt, sie können zum Beispiel keine Spritze setzen oder eigenmächtig Diagnosen stellen. Freilich, und das ist der Clou der Sache, handelt es sich bei den „Haushaltshilfen“ in der Regel um richtig gut ausgebildete Pfleger, die in diesem Hilfsjob mehr verdienen als in ihrem richtigen Beruf und in der Heimat! Wenn also Blutdruck oder Fieber gemessen werden muss oder auch der richtige Handgriff beim Baden nötig ist – die Polen beherrschen das alles und sind deshalb eher Pfleger als Putzkraft. Aber der rechtliche Rahmen legt die Bezeichnung und damit auch die Tätigkeiten fest, ein Umstand, der trotzdem viele Vorteile hat.

alter-mann-24-stunden-pflegeWenn ich manchmal mit zu einer Heimpflege fahre und dort eine Spritze setze, treffe ich gelegentlich auch ausländische Pfleger, allen voran eben die Polen. Sie sind immer sehr aufgeschlossen und hilfsbereit, sprechen meistens gut Deutsch und gehen mir fachgerecht zur Hand. Die alten Leutchen hingegen sind ebenso begeistert, loben ihre „Natalia“ oder ihre „Karolina“ immer wieder und ich kann mir manchmal gar nicht vorstellen, wie ihr Leben wohl ohne diese fleißigen Unterstützer aussehen würde. Das größte Problem im Alter sind die fehlenden oder mangelhaften sozialen Kontakte. Wenn der Lebenspartner stirbt und es schwer fällt, das Haus zu verlassen, dann sind oft Fernsehen und Radio, vielleicht noch das Telefon die einzigen Bezugspunkte für viele Senioren. Sehr schade, denn wie jeder weiß, haben sie doch so viel mitzuteilen! Wenn ich in unserem Pflegedienst ambulante Betreuung durchführe, dann sind wir mit den Kollegen immer bemüht, möglichst viel Zeit bei den Leuten zu verbringen. Doch sowohl der rechtliche Rahmen unserer Arbeitszeit wie auch die schiere Masse an Menschen, die versorgt werden müssen und nicht zuletzt unsere eigene Kraft lässt uns immer noch viel zu wenig Zeit, um vielleicht mal ein Gespräch zu führen und sei es nur über belanglose Sachen aus dem Alltag. Kein Wunder, dass viele Senioren den Eindruck haben, der ambulante Pflegedienst arbeite wie eine Art Maschine streng nach Vorschrift und möglichst schnell und reibungslos. Dieser Eindruck entsteht aber zwangsläufig und so sind polnische Pflegekräfte im Privaten eine runde Sache. Sie sind immer da, haben Zeit und kümmern sich aufopfernd, das jedenfalls kann ich bestätigen. Auch wenn es vermessen klingt, aber Deutschland wäre niemals so reich und wohlhabend, wenn nicht stets auch ein großes Heer an Zuwanderern hier arbeiten würde und das schon in der Vergangenheit (der westdeutschen BRD) getan hatte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wenn man nun eine solche Kraft aus Osteuropa sucht, dann sollte man sich nicht an das deutsche Arbeitsamt wenden. Die Angestellten dort sind eher auf Schikane von Arbeitslosen aus und oftmals gar nicht auf dem rechtlich aktuellen Stand. Es gibt vielmehr spezialisierte Agenturen in Polen und auch in Deutschland, die direkt und unkompliziert die passende und vor allem legale Pflege vermitteln. Da wird ein genaues Profil erstellt, die Heraus- und Anforderungen brauchen schließlich die richtige Pflege und Hilfe. Die Gebühren sind wie bereits erwähnt verkraftbar, können sich aber auch zwischen den Vermittlern unterscheiden. Wir arbeiten gut mit den Pflegern von help4seniors zusammen, die kann ich zumindest empfehlen, aber es gibt auch viele andere gute Unternehmen. Im Internet werden zudem Vergleiche angeboten, man kann sich genau erkundigen und die Infos über Preise und Leistungsumfang einholen.
Problematisch ist demgegenüber die eigenmächtige Suche. Oft genug bieten sich auch Pfleger aus der Ukraine oder Moldawien an, doch die arbeiten natürlich schwarz und das ist nicht zu empfehlen. Im Alltag einer Betreuung von alten Leuten kann viel passieren und wer möchte schon mit einem Gesetzesverstoß konfrontiert werden, der nicht nur Strafe, sondern am Ende vielleicht auch noch riesige finanzielle Verpflichtungen mit sich bringt?
Polen in der Pflege – ich jedenfalls bin dafür! Meine Kollegen, denen ich von diesem Blogeintrag hier erzählte, finden das auch in Ordnung, schlicht weil wir hier an der Basis genau erkennen können, was auf uns zukommt. Und in Zukunft wird jede Hand gebraucht, das kann man mir schon guten Gewissens glauben!