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Hilfe und Beratung für pflegende Angehörige

Pflegestützpunkte und Co helfen auch den Angehörigen, die Pflege besser zu organisieren

Nicht jede Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen zeichnet sich bereits Monate im Voraus ab. Nach einem Unfall oder einem Schlaganfall müssen Angehörige manchmal in relativ kurzer Zeit eine 24-stündige Pflege organisieren. Dabei auf sich alleine gestellt zu sein, ist eine Mammutaufgabe, die schnell überwältigend wirken kann. Gleiches gilt auch für Menschen, die bereits länger einen Angehörigen pflegen und in die Gefahr geraten, sich zu verausgaben. Für jeden dieser Fälle gibt es zahlreiche Hilfs- und Beratungsangebote, welche die Angehörigen unterstützen und über ihre Rechte und Pflichten aufklären.

Bei den ersten Schritten eng mit den Krankenkassen und Sozialstationen zusammenarbeiten

Erhalten Angehörige einen Anruf, dass sich ein Verwandter oder der Ehepartner im Krankenhaus befindet, ist die Aufregung in der Regel zu groß, um sich weitere Gedanken zu machen. Erst später, wenn sich die erste Aufregung gelegt hat, wird ersichtlich, dass diese Person auch nach dem Krankenhausaufenthalt weiterhin auf Hilfe angewiesen sein wird. Verfügt das Krankenhaus über eine Sozialstation, ist hier eine erste Anlaufstation, um sich über Pflegedienste oder andere Alternativen für die Pflege im häuslichen Umfeld zu informieren. Weiterhelfen kann auch die Krankenkasse des Patienten. Hier können Anträge für Hilfsmittel oder auch die Beantragung einer Pflegestufe, bzw. ab 2017 die Beantragung eines Pflegegrades, gestellt werden. Weiterhin finden sich hier auch Informationen zu den Therapienageboten. Zu wissen, ob eine Reha bezahlt wird oder Therapien, welche nur mit Zuzahlungen oder auf eigene Kosten erhältlich sind, helfen bei der Einschätzung, ob sich der Angehörige vollständig erholen wird oder längerfristig auf Hilfe angewiesen ist. Auf dieser Basis können alle weiteren Schritte zur Organisation der Pflege aufbauen.

In Pflegestützpunkten immer einen kompetenten Ansprechpartner finden

In den letzten Jahren haben überall in Deutschland Pflegestützpunkte eröffnet. Diese dienen dazu, Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen einen festen Anlaufpunkt für alle Fragen rund um die Pflege zu geben. Bei der Beantragung von Leistungen aus der Pflegeversicherung wird in der Regel bereits ein Gutschein für eine Beratung an einem Pflegestützpunkt in der Nähe übergeben. Bei der Beratung selbst können auch die Angehörigen teilnehmen, um so zu erfahren, wie die Pflegestufen oder Pflegegrade vergeben werden und welche Möglichkeiten des Einspruchs bestehen. Die Pflegestützpunkte arbeiten dabei unabhängig, was bedeutet, dass diese nicht an die Meinung der Krankenkassen gebunden sind und somit auch eine abweichende Einschätzung der vorgefundenen Situation treffen können. Zudem vereinbaren Mitarbeiter der Pflegestützpunkte auch vor Ort Termine, um in der Wohnung des Pflegebedürftigen zu überprüfen, welche Maßnahmen für einen behindertengerechten Umbau der Wohnräume ergriffen werden müssen.

Die entlastenden Leistungen der Krankenversicherung für Angehörige wahrnehmen

Aus Kostengründen informieren die Krankenkassen die Angehörigen nicht immer von selbst über alle ihnen zur Verfügung stehenden Angebote. Dazu zählen zum Beispiel Pflegekurse. Hierbei können Angehörige an Kursen teilnehmen, die ihnen das oftmals fehlende medizinische Wissen vermitteln. Dieses reicht von der Verabreichung von Medikamenten über das Anlegen von Verbänden bis zum richtigen Lagern bettlägeriger Angehöriger. Bezahlt werden die Kurse jeweils von der Krankenversicherung des Pflegebedürftigen. Durch die Kurse fällt es vielen Angehörigen leichter, routinierte Abläufe in der Pflege zu entwickeln, damit sich diese Routine auch auf den Tagesablauf positiv auswirkt.

Weiterhin stehen Angehörigen auch Leistungen der Verhinderungspflege zur Verfügung. Diese Leistungen können bis zu 28 Tage im Jahr in Anspruch genommen werden. Dabei kann es sich um einzelne Tage oder auch mehrere Tage am Stück handeln. In dieser Zeit werden die Angehörigen zum Großteil in Pflegeeinrichtungen von Fachkräften betreut. Dies erlaubt es etwa den Angehörigen in den Urlaub zu fahren, wichtige Termine wahrzunehmen oder auch die Wohnung zu renovieren. Die Leistungen der Verhinderungspflege werden zusätzlich zum Pflegegeld ausgezahlt und haben somit keine Auswirkungen auf dessen Höhe.